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Raul de Souza | BRASIL
trombone


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Raul de Souza wuchs in kleinbürgerlichen Verhältnissen in Rio de Janeiro auf. Als Kind spielte er Tamburin in einer presbyterianischen Kirche, in der sein Vater Pfarrer war. Später versuchte er sich im Trompeten-, Tuba-, Flöten- und Tenorsaxophonspiel. Schließlich entschied sich der Teenager für die Posaune. 1950 arbeitete er als Weber in dem Textil-Unternehmen Fábrica Bangú und spielte Tuba im Fabrik-Orchester. Während seines Wehrdienstes in einem Infanterieregiment der Luftwaffe lernte er den Schlagzeuger Edison Machado (1934-1990) kennen. Nach seiner Entlassung beteiligte sich de Souza an Wettbewerben im Hörfunk und traf auf Virtuosen und Komponisten wie Pixinguinha (1897-1973), Waldir Azevedo (1923-1980) und Altamiro Carrilho (* 1924). Seit etwa 1954 ist er Berufsmusiker. Er spielte u.a. für Carrilhos All-Star Band À Turma da Gafieira sowie in den Kapellen des Tenorsaxophonisten Ze Bodega und des Gitarristen Roberto Baden Powell de Aquino (1937-2000). Spärer trat er der brasilianischen Luftwaffenband in Curitiba im südlichen Bundesstaat Paraná bei. Dort lernte er Airto Moreira (* 1941) kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbindet, und der damals als Bolero-Sänger in örtlichen Nachtclubs auftrat.

Bossa Nova-Musiker der 1960er Jahre 
Nach fünf Jahren in Curibita, lebte de Souza kurzzeitig in São Paulo und zog dann wieder in seine Heimatstadt Rio de Janeiro zurück. Sein Freund Airto Moreira, mittlerweile Perkussionist, hatte 1965 die Sängerin Flora Purim (* 1943) geheiratet, Tochter eines russischen Geigers und einer brasilianischen Pianistin. Beide führten Raul de Souza Mitte der 1960er Jahre in die musikbeherrschende Bossa Nova-Szene Brasiliens ein. Das Ehepaar Purim/Moreira gehörte zu einer jüngeren Generation brasilianischer Jazzmusiker, die den vom Cool Jazz beeinflussten Bossa Nova der 1950er Jahre zum aggressiveren Samba-Jazz (oder Sambop) weiterentwickelten.

Raul de Souza wurde Mitglied des Hard-Bossa-Ensembles Sexteto Bossa Rio, das der Pianist Sergio Mendes (* 1941) gebildet hatte. 1963 war de Souza auf dem erfolgreichen Bossa Rio-Album Você ainda não ouviu nada neben den weiteren Posaunisten Edson Maciel und Hector Costita (* 1934) zu hören. Nach einer Europa-Tournee mit Mendes 1964 wechselte de Souza zur Combo Os Catedráticos von Eumir Deodato (* 1943). Bereits im Oktober 1964 war er an Deodatos Langspielplatte Tremendão beteilgt und im selben Jahr unterstütze er Flora Purim, für deren Debütalbum Flora e' MPM der Schlagzeuger Dom Um Romão (1924-2005) eine Big Band zusammenstellte. Außerdem arbeitete er im Frühjahr 1965 als Studiomusiker für das erste Album von Quarteto em Cy, einem Vokalquartett von vier Schwestern aus El Salvador, und spielte für die Formation O Trio 3D des Pianisten Antonio Adolfos (* 1947) auf Convida.

Im Januar 1965 veröffentlichte Raul de Souza seine erstes eigenes Album À Vontade Mesmo. Das Sambalanço Trio, das der Pianist César Camargo Mariano (* 1943) im Jahr zuvor mit Airto Moreira am Schlagzeug und Humberto Cláiber (* 1937) am Kontrabass in São Paulo gebildet hatte, stellte sich dem Posaunisten zur Verfügung. Dieser nannte sich auf seinem Erstlingswerk in der portugiesischen Verkleinerungsform Raulzinho. Im Herbst 1965 reiste de Souza nach Paris und spielte u.a. mit Kenny Clarke (1914-1985) in den Jazz-Clubs Blue Note und L'Éléphant Blanc. Nach seiner Rückkehr spielte er für die Band RC7 des Sängers Roberto Carlos (* 1941), gründete 1968 seine eigene Combo Impacto 8, die er nach nur einer LP, International Hot, wieder auflöste und zog 1969 nach Mexiko. Er lebte in Acapulco, als ihn Flora Purim und Airto Moreira im August 1973 baten, nach Los Angeles zu kommen. Er trat in ihre Band ein, die Vorgruppe bei einer Tournee der Crusaders war. Danach hielt er sich in Boston auf und studierte an der Berklee College of Music.

Sideman und Bandleader in den 1970er Jahren 
1974 folgte er Flora Purim nach Los Angeles, um auf ihrem Milestone-Album Stories To Tell zu spielen. Der Gründer des Milestone-Labels, Orrin Keepnews (* 1923), war von der instrumentalen Vorstellung des Blechbläsers so angetan, dass er Moreira im Oktober 1974 erlaubte, für Raul de Souza das Album Colors zu produzieren. Moreira gelang es, ein prominentes Musikerensemble zu versammeln: Neben dem Alt-Saxophonisten Julian Cannonball Adderley (1928-1975), den Trompetern Snooky Young (* 1919) und Oscar Brashear (* 1944), den Saxophonisten Sahib Shihab (1925-1989) und Jerome Richardson (1920-2000), dem Posaunisten und Arrangeur J. J. Johnson (1924-2001), wirkten u.a. der Schlagzeuger Jack DeJohnette und der Bassist Richard Davis (* 1930) mit. Einige Kritiker betrachten Colors als größte musikalische Leistung von Raul de Souza.

Er wurde ein begehrter Sideman. Im Jahr 1975 wurde de Souza von dem Vibraphonisten Cal Tjader (1925-1982) für die Schallplatte Amazonas (Fantasy), vom Saxophonisten Azar Lawrence (* 1953) für Summer Soltice (Prestige) und von Sonny Rollins (* 1930) für Nucleus (Mileston) engagiert und 1976 von der Latin Jazz Fusion-Band Caldera um Steve Tavaglione (Saxophon), Carlos Vega (Schlagzeug) und Jorge Strunz (Gitarre) für ihr gleichnamiges Debütwerk.

Im Gegenzug für den entscheidenden Karrierekick unterstützte de Souza Airto Moreira bei dessen Koproduktion mit Herbie Hancock, Identity (Arista, 1975), bei Promises Of The Sun (Arista, 1976) mit dem Komponisten, Gitarristen und Sänger Milton Nascimento (* 1942) und I'm Fine, How are You? (Warner, 1977) mit dem Bassisten Jaco Pastorius (* 1951) und dem Gitarristen Oscar Castro-Neves (* 1940). Nachdem Flora Purim anderthalb Jahre wegen Drogenbesitzes im Gefängnis gesessen hatte, half er ihr bei den Produktionen Encounter (Milestones, 1977), Nothing Will Be As It Was... Tomorrow (Milestones, 1977), Everyday, Everynight (Warner, 1978) sowie Carry On (Warner, 1978).

1977 schloss de Souza einen Vertrag mit dem Plattenlabel Capitol ab, für das er die beiden Jazz Pop/Funk-Alben Sweet Lucy (1977) und Don 't Ask My Neighbors (1978) herausbrachte, produziert von George Duke (* 1946). Die Disco-orientierte Platte 'Til Tomorrow Comes, 1979 produziert von Arthur Wright, wurde jedoch ein Fehlschlag.

Studiomusiker in den 1980er Jahren 
Während der 1980er Jahre ging es künstlerisch bergab. Raul de Souza lebte in São Paulo, trat nur gelegentlich auf und machte unbedeutende Plattenaufnahmen. Aus seiner sporadischen Studioarbeit ragen Produktionen mit dem Pianisten Alex Merck (* 1956) sowie den Gitarristen Gilberto Gil (* 1942) und Toninho Horta (* 1948) heraus. Anfang der 1990er Jahre arbeitete er u.a. mit den Sängerinnen Maria Bethânia (* 1946), Lisa Ono (* 1962), Salena Jones (* 1944), Leny Andrade (* 1943), den Sängern Taiguara (* 1945) und Nelson Ângelo sowie dem Komponisten João Donato (* 1934). Antônio Carlos Jobim verpflichtete ihn 1994 für sein Album Antônio Brasileiro (Globo Columbia), das 1996 für die beste Latin-Jazz-Darbietung mit einem Grammy geehrt wurde.

Comeback seit den späten 1990er Jahren 
Seit Ende der 1990er Jahre wurde mit einem neuerwachten Interesse an lateinamerikanischer Musik in Europa und den USA auch Raul de Souza wieder aktiver. Er veröffentlichte einige CDs. Gemeinsam mit der französischen Saxophonistin Claire Michael, dem Pianisten Jean-Michel Vallet, dem Bassisten Patrick Chartrol und dem Schlagzeuger Thierry Le Gall formierte er 2004 das Quintett Raul de Souza & Claire Michael Group. 2005 veröffentlichte die Gruppe das Elektro-Jazz-Album eLiXiR. Sowohl mit dieser Band, als auch mit alten Weggefähren und jungen Jazzmusikern ist Raul de Souza auch weiterhin in Pariser Clubs und bei Jazz-Events in Frankreich und in seiner brasilianischen Heimat zu hören.


 
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